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 28.05..2020

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der Cyriacusberg

 

Der Schulberg (früher Cyriacusberg, nach dem Frauenstift benannt) ist nicht nur der älteste schriftlich erwähnte Ort in Eschwege. Mit dem "Königshof" (vermutlich da, wo heute das Hochzeitshaus steht) standen hier im ersten Jahrtausend die ersten größeren Gebäude in der Umgebung.
Außer dem Karlsturm (der auch im oberen Teil neu aufgebaut wurde) sind alle heutigen Gebäude erst seit dem 16. Jahrhundert entstanden.

Eine kleine Zeittafel:

vor 974 :
Etwa am Standort des heutigen Hochzeitshauses, möglicherweise auch auf dem Berg, gab es einen "Königshof", so eine Art Drittwohnsitz für die damaligen Herrscher auf der Durchreise. Hauptsächlich war er aber eine Einnahmequelle aus landwirtschaftlichen Produkten des eigenen Gutes, bzw. durch die Eintreibung von “Steuern” von den abhängigen Bauern.

974:
Kaiser Otto II. schenkt mal eben seiner Frau Theophanu den Hügel nebst umliegenden Ländereien, die bis ins Thüringische Gebiet reichten. Das war die damalige Art der Altersversorgung für eventuelle Witwen.

994:
Nach dem Ableben seiner Mutter Theophanu schenkte Otto III. seiner Schwester Sophie einen Teil von diesem Besitz. Wenn weibliche Nachkommen nicht strategisch mit anderen Herrschern verheiratet werden konnten, wurden sie damals so versorgt.

997:
Vermutlich seit 997 wurde das dem Heiligen (der etwa 303 von den Römern enthauptet worden war) gewidmete Frauenstift gegründet.
Ob Sophie sich jemals auf dem heutigen "Sophienplatz" aufgehalten hat, ist nicht bekannt.

1010:
Südöstlich des "Königshofes", am Fuße des "Cyriacusberges", entsteht die St. Dionys - Kirche, die heute meist "Markt-" oder"Altstädter Kirche" genannt wird.

1075:
Das Frauenkloster wurde erstmals erwähnt, weil Heinrich IV. es an den Bischof in Speyer verschenkt hatte. Seitdem gehörte Eschwege nicht mehr dem Reich, sondern wechselte nun bis 1213 zum Kirchenbesitz. Auch die dort lebenden Menschen gehörten zum großen Teil zu dieser Schenkung.

1213:
Das Cyriacusstift nebst anderen Besitzungen wurde vom Reich von der Kirche zurückgekauft.

1264:
Der hessische Landgraf übernimmt Eschwege und Umgebung von den Thüringern, allerdings ohne das Nonnenkloster auf dem Cyriacusberg.

1527:
Das Cyriacusstift wird im Zuge der Reformation abgewickelt. Der hessische Landgraf übernimmt alle Besitztümer des Stifts. Eine Lateinschule entsteht, allerdings nur für männliche Schüler. Möglicherweise stammt aus dieser Zeit der Name “Schulberg”
Zuvor gab es irgendwann seit dem 11. - 13. Jahrhundert eine Klosterschule.

1578:
Das Hochzeitshaus (auch das “neue Haus” genannt) wird gebaut.
Neben entsprechenden Räumlichkeiten für Feiern entstanden Schankräume (in die heutige Zeit übersetzt: von der Eckkneipe bis zum Restaurant) und im Keller ein “Ratskeller”. Auch eine Bäckerei gab es da mal.

1823:
Das Hochzeitshaus wird zur Schule umgebaut und die Knabenschule zieht ein.

1830:
Mit dem neuerbauten Gebäude auf dem Schulberg gibt es erstmals eine öffentliche Mädchenschule.

1838:
Im Dezember 1838 wird die Synagoge "vor dem Berge" eingeweiht. Hinter dem Gebäude, in der Schulstraße, erhielt kurz danach die 1827 gegründete jüdische Schule neue Räume.

1917:
Die Schule auf dem Schulberg wird ab November als Kriegsgefangenenlager für russische Offiziere genutzt und eingezäunt.

1927:
Auf dem Schulberg werden große Teile der Beruflichen Schule untergebracht.

1952:
Die ersten Klassen der neuen Mittelschule werden in der Schule untergebracht.

1955:
Die "Bürgermädchenschule" vor dem Berge wird als Grund- und Volksschule zur "Brüder-Grimm-Schule". Mädchen und Jungen werden nun gemeinsam unterrichtet.

Seit den 1960er Jahren wurde die Realschule vollständig im Hochzeitshaus untergebracht und auf dem Schulberg entstand die Pestalozzischule.

1992:
Der Schulberg ist vollständig ohne Schulen.
Die Brüder-Grimm-Schule ist in die ehemalige Leuchtbergschule umgezogen.
Nach dem Umzug der Pestalozzischule in die Nähe der Geschwister-Scholl- Schule, werden die Gebäude vorübergehend von Kommunaldienststellen genutzt.
In die Mädchenschule zog später die Volkshochschule und auf dem Schulberg erteilen seit 2005 die Lehrkräfte der Musikschule Unterricht. Im ehemaligen Gefängnisgebäude befindet sich heute ein “Studienseminar für das Lehramt”.

 Und so bleibt die Tradition des Schulbergs auf dem "Sophienplatz" und "vor dem Berge" erhalten.

( Übrigens: Der Heilige Cyriacus soll vor Frost und schlechtem Wetter schützen, was auch immer man unter "schlecht" in diesem Zusammenhang verstehen mag)

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1000 Jahre_119e

So ungefähr könnte der damalige Cyriacusberg und das Kloster um 1350 ausgesehen haben
(Aquarell von Ernst Metz 1973 / Foto: Foto Dunkel Eschwege)
Ausschnitt aus dem Heft “1000 Jahre Eschwege”
Herausgeber: “HESSISCHE HEIMAT” - Kulturzeitschrift (1974)

Wappen_Eschwege2

Das Stadtwappen von Eschwege mit den beiden Türmen der Cyriacuskirche